• Gian-Carlo Amrein

Wie geht es weiter an der Börse


Es gibt verschiedene Theorien und Erfahrungen aus der Vergangenheit wie Menschen auf steigende Preise, also Inflation, reagieren. Die weitere Börsenentwicklung hängt massgeblich davon ab.


Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bei steigender Inflation folgendes passiert:


Die Menschen fürchten sich vor weiteren Preissteigerungen und kaufen vorsorglich mehr ein. Denn die Preise könnten nächstes Jahr noch höher sein. Das führt sogar dazu, dass Kredite aufgenommen und grosse Investitionen getätigt werden.


Die Wirtschaft profitiert von diesem Effekt. Der Umsatz und der Gewinn von Unternehmen steigt.


Gleichzeitig dämpft die Zentralbank das ganze Geschehen, um wieder Preisstabilität herzustellen, indem sie die Zinsen erhöht. Was dazu führt, dass die Fremdfinanzierungskosten für die Unternehmen steigen und die Bevölkerung, dank der gestiegenen Zinsen, wieder mehr spart.


Irgendwann kippt die Situation. Es wird mehr gespart, die Fremdfinanzierungskosten sind hoch und das Wachstum der Unternehmen sinkt, was zu einem Wirtschaftsabschwung führt.


Die Inflation ist gesunken, die Zinsen werden wieder gesenkt und das ganze Spiel fängt von Neuem an.


Aktien reagieren immer auf die Gewinne der Unternehmen. Sind die Aussichten positiv steigen die Kurse. Sind die Aussichten negativ, kommt es zu Verkäufen.


Die jetzige Situation ist äusserst spannend um diese Entwicklung wieder einmal zu beobachten. Rein theoretisch müssten die Gewinne der Unternehmen weiter steigen, weil die Menschen, aus Angst vor höheren Preisen, mehr Geld ausgeben.


Aber wenn die Geldmengenausweitung, die gestiegenen Rohstoffpreise und die damit verbundene Inflation zu hoch war, könnte dies auch zu einem Nachfrageschock führen. Das bedeutet, dass die Nachfrage entgegen der Theorie überraschend einbricht, weil die Preise zu stark gestiegen sind und die Löhne nicht mithalten können.


Ganz wichtig werden deshalb die Halbjahreszahlen sein, welche im Juli veröffentlicht werden. Anhand derer werden wir ziemlich genau wissen, wie die Menschen auf die steigenden Preise reagiert haben.

Obligationen verlieren in Erwartung von steigenden Zinsen an Wert. Diesen Effekt haben leider viele Kunden in den letzten Monaten zu spüren bekommen. Eigentlich hätte man bereits vor einem Jahr alle Obligationen verkaufen müssen, als die Inflation bereits hoch war, aber noch kein Zinsanstieg im Raum stand. Leider sind Banken und Pensionskassen dazu kaum in der Lage, denn sie müssen immer investiert sein, selbst wenn die Aussichten katastrophal sind. Lediglich die Risiken, also Laufzeiten, wurden reduziert. Heute ist der Zinsanstieg von der Zukunft bereits in den Kursen eingepreist. Sollte es Änderungen geben, ist dies relevant für die Obligationenkurse.


Die grössten Risiken bei steigenden Zinsen bilden die vielen Unternehmen, welche jahrelang vom Niedrigzinsumfeld profitiert haben und gerade so durchgekommen sind. Ebenso der Hypothekarmarkt, bei dem es mit steigenden und hohen Zinsen zu Zahlungsausfällen kommen kann. Sparen die Menschen wieder mehr, führt dies zu weniger Konsum und somit zu schrumpfenden Unternehmensgewinnen.


In der jüngeren Vergangenheit haben steigende Zinsen nach wenigen Jahren einen Crash an der Börse ausgelöst. Diese Gefahr besteht auch heute, weshalb man in den nächsten Monaten und Jahren sehr vorsichtig sein sollte.


In der heutigen Situation hat der Markt die steigenden Zinsen bereits eingepreist. Sollten die Gewinne der Unternehmen jedoch sinken, ist dies nicht eingepreist. Das Gegenteilige, also wachsende Gewinne, ist hingegen zum Teil bereits eingepreist.


Vorsicht ist zu gegebener Stunde angebracht. Man sollte auf jeden Fall immer Liquidität bereithalten. Das heisst, wer Gewinne mitnehmen kann um Liquidität zu schaffen, sollte das jetzt noch tun.


Brauchst Du eine persönliche und individuelle Beratung? Dann kannst Du mich gerne kontaktieren.



37 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen